Hochwasserschutz: innovative Wildwasser-Seilsperre
in der Rienzschlucht

Spannungsfeld Mensch – Berg – Technologie

Jahr für Jahr werden in alpinen Regionen wie Südtirol zahlreiche Maßnahmen zum Schutz vor Wildbächen umgesetzt. In jüngerer Vergangenheit legten die Experten den Fokus verstärkt auf das Thema Wildholz. Denn oft genügen wenige Baustämme, um eine Brücke zu blockieren oder Verklausungen zu verursachen. Das wiederum kann große Überflutungen auslösen.
 

Good Practice: Wildwasser-Seilsperre in der Rienzschlucht

Die Rienz entspringt am Fuße der Drei Zinnen im Gemeindegebiet von Toblach. Danach fließt die Rienz durch das Pustertal – unter anderem durch die Rienzschlucht in Bruneck. Die Schlucht ist ein gern besuchter und wichtiger Naherholungsraum für die Brunecker Bevölkerung. Neben Wanderern zieht die Schlucht auch viele Wassersportler an. Für den Siedlungsraum Bruneck ist vor allem das Wildholz, das die Rienz transportiert, ein Problem. Nach Verklausungen kam es in der Stadt immer wieder zu großen Überschwemmungen – zuletzt 1998.
Deswegen wurde eine Lösung gesucht, die wirkt und gleichzeitig schonend in den beliebten Naturraum eingebettet werden kann. Die Entscheidung fiel auf die erste und bisher einzige Wildwasser-Seilsperre in ganz Südtirol. Die Bauarbeiten dauerten von April 2012 bis Juni 2013.

Das Know-how hinter dem Projekt
In Südtirol gibt es wie im gesamten Alpenraum wenig Erfahrungen mit der Planung und dem Bau von Wildwasser-Seilsperren. Im ersten Schritt erstellten die Universität Padua und die Freie Universität Bozen eine gemeinsame Studie zur Wildholz-Problematik für Bruneck. Danach erarbeiteten die Agentur für Bevölkerungsschutz, das Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost und das Amt für Stauanlagen die Kriterien, die ein Bauwerk an diesem Standort erfüllen muss. Ziel war es ein Bauwerk zu realisieren, das möglichst wenig Auswirkungen auf die Landschaft hat.
Die Technologie
Die Wildwasser-Seilsperre ist acht Meter hoch und besteht aus neun je 50 Meter langen Stahlseilen quer über die Rienz. Mit Hilfe von speziellen Ankern sind die Seile im seitlichen Fels befestigt. Die Anker sind speziell gegen Korrosion geschützt – u.a. durch Schutzkappen. Der Durchmesser der Seile liegt zwischen 31 und 95 Millimeter.

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